Die Frage, wie ich meine Musik in den iTunes Store bekomme, habe ich mich vor zwei Jahren auch gestellt. Es ist relativ einfach: Du musst Inhaber eines Labels sein und dich bei Apple mit deinem “Content” (also deinem Portfolio, Katalog, na du weißt schon) bewerben.
Wenn dein Inhalt von Apple für verbreitungswürdig gehalten wird, flattern vier Verträge in dein Email-Postfach, einer für iTunes Europe, einer für die USA und Canada, einer für Japan sowie einer für Australien und Neuseeland. Diese vier Verträge decken alle “Regions” ab, das bedeutet, dass du 22 iTunes Stores weltweit erreichen kannst. Du musst natürlich nicht alle Verträge unterschreiben, aber wenn man schon mal dabei ist…
Anschließend wird es etwas komplizierter, denn du must dich mit ausländischen Steuerformularen (US tax office: IRS und Japan) befassen. Wenn du diese kleine bürokratische Hürde jedoch gemeistert hast, steht der Belieferung der iTunes Stores nichts mehr im Wege!
Die Anlieferung erfolgt über das - na? ja, genau! das Internet. Du brauchst einen Mac, auf dem die Software “iTunes Producer” läuft. Die aktuelle Version (1.7.1) funktioniert auf dem eMac (1GHz PowerPC, 512MB Ram mit Mac OS 10.4.11) , den ich damals extra für die Anbindung an den iTunes Store erstanden habe, sehr gut. Für etwa 300 Euro gibt es so etwas ja schon.
Jetzt folgt technisch Monotones: Das Konvertieren. Nur, wer an verregneten Sonntagen morgens um halb Acht seine CDs gerne in MP3s konvertiert, um Platz im Regal zu schaffen, hat wahrscheinlich daran Freude. Aber es hilft alles nichts: du musst die CD im iTunes Producer importieren und die Metadaten per Hand eintragen.
Was Metadaten sind? Das sind die Daten, die zu dem Produkt gehören, aber nicht das Produkt (in diesem Fall die Musik) sind: die Namen der Interpreten, Komponisten, Texter, Weblinks, der Barcode, ISRCodes, das Albumcover, die Preisklasse etc. Metadaten sind also unentbehrlich, nur leider kann das Einpflegen von Metadaten sehr mühsam sein, besonders wenn es sich um “Compilations” handelt.
Wenn nun aber alle Daten drin sind kannst du die Playlist (das ist im iTunes Producer Jargon ein zur Übermittlung an die Stores bestimmtes Album) “submitten”, also hochladen.
Wann die Playlist im Store erscheint, hängt davon ab, auf wann du in den Metadaten das “sales start date” (das Startverkaufsdatum) gesetzt hast. Das Album ist aber mindestens zwei Wochen nicht sichtbar im “review”-Status, da iTunes jeden Datensatz prüft. Und? Was geprüft wird? Richtig! Die Metadaten. Es nützt also alles nichts zu schludern, die Daten müssen exakt nach dem iTunes Richtlinien-Katalog bereitgestellt werden, sonst ist das Album auf ewig im “hidden” Status versteckt. Der Richtlinien-Katalog heißt iTunes Store Style Guide und ist “confidential”, ich darf ihn also leider nicht online stellen. Nur soviel sei verraten: Großschreibung und Kleinschreibung bei Titeln und Tracknamen sind reguliert (z.B. “Far away from Home, Little Torrero!”).
So, wenn die Daten dann korrigiert werden müssen, dann loggst du dich auf der Apple-Seite unter “label connect” ein und öffnest ein “Ticket”. Mit einem Ticket kannst du Metadaten nachträglich editieren und sogar neue Audiodaten hochladen.
Ist das geschafft, heißt es: verlinken! Der Link zu einem Album beim iTunes Store sieht so aus:
http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewAlbum?id=260391620
Die Zahl am Ende ist die von Apple vergebene Album-Identifikationsnummer. Diese findest du heraus, wenn du
- im Store auf das Album-Cover mit der rechten Maus klickst - mac-User: apple-taste+klick - (iTunes Store-URL kopieren) oder
- über “label connect” die Apple-ID benutzt und die AlbumId im Link ersetzt.
Die wichtigste Frage: Wie bekommst du dein Geld? Du erhältst eine Benachrichtigung per Email, dass ein neues Royalty Statement (also eine Künstlerabrechnung) zur Verfügung steht. Diese wird in Form einer .txt Datei bereitgestellt, die sich ohne Probleme mit Excel anzeigen lässt und alle Verkäufe detailliert anzeigt. Du erhältst übrigens für jede Region ein eigenes Statement. Diese wird auch in der entsprechenden Währung angezeigt. Hier habe ich einmal aufgelistet, wieviel man von Umsätzen in den verschiedenen Regionen bekommt: phonector_iTunesStorePreise.pdf
Die Überweisung erfolgt automatisch; meiner Erfahrung nach ungefähr vier bis sechs Wochen. Bei Umsätzen aus der Region Europa ist es jedoch notwendig, dass du eine Rechnung an Apple schreibst, sonst wird nichts überwiesen.
So. Das ist ungefähr das, was auf dich zukommt, wenn du deine Musik im Alleingang bei iTunes anbieten möchtest. Wie du siehst, ist es ist möglich, aber derAufwand ist hoch.
Ich rate jedem Künstler dringend, seine Musik über digitale Wege anzubieten!
Allein der Umsatz für phonector Produkte auf iTunes betrug ca. 1500 Euro. Verteilt auf alle Alben gesehen ist klar, dass keiner davon reich wird, aber es ist doch zumindest möglich, seinen Fankreis zu erweitern. Na, und wer das nicht will, der soll sich eh nicht auf diesem Blog angesprochen fühlen. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass Portale in deinem digitalen-Musikvertriebsportfolio vorkommen sollten, die nicht nur Kreditkartenbanking dem Kunden als Zahlungsmöglichkeit anbieten (z.B. iTunes), sondern auch Banküberweisung (z.B. phonector.com). Alle Möglichkeiten sollten auf deiner Seite gut sichtbar aufgelistet werden (inklusive Direktlink und Bezahlinformation, also Preis und Zahlungsart).
Und da das hier ein Artikel auf dem phonetor Blog ist, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass bei phonector.com gegen eine einmalige Einstellgebühr in Höhe von 30 Euro dein Album bei iTunes und phonector als Download bereitgestellt werden kann. Es geht also auch ganz einfach.
Ich wünsche einen schönenTag!
Stephan Bienwald